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As years go by

Die Beatles – und ich

Heiß begehrt

Neulich war ich heiß begehrt; als Interview-Partnerin, als Auskunftei und als Zeitzeugin. Wie es dazu kam?

Das jüngste Pubertier in unserer Familie hatte über ein bestimmtes Thema zu recherchieren, eine Präsentation zu erstellen und diese vorzustellen. Thema: Ein berühmter Musiker oder eine berühmte Band. Zu meinem großen Erstaunen, aber gleichzeitig großer Freude, hatte er sich für die Beatles entschieden. Sie schienen ihm aufgrund ihrer großen Popularität ausreichend Recherche-Material zu liefern. Das war wichtig, denn in seinen Augen erleichterte das die Arbeit kolossal. Also ran an die Arbeit. Zunächst einmal fragte mich der Teenager-Reporter, was ich denn noch von den Beatles wüsste.

Das ist jetzt der Moment, wo wir es uns erst einmal richtig gemütlich machen sollten, uns ein Getränk besorgen und Kekse auf den Tisch stellen,  denn über die Beatles, die Idole meiner Jugend, weiß ich wirklich viel.

Alexa:  „Spiel Musik von den Beatles“

Bevor ich anfing zu erzählen, war ich neugierig,  woher er denn nun die Beatles kennt. Er erklärte mir, dass er sie von seiner Mutter kenne, die als Musikerin ab und zu Lieder der Beatles spielt und ……….von  mir. Ich würde schon ziemlich oft sagen:  „Alexa: Spiel Musik von den Beatles“.

Mir war gar nicht bewusst, dass er das überhaupt registrierte. In der Tat ist Alexa manchmal meine Küchenhilfe. Sie erinnert mich an das Ende der Garzeit und bei manchen Gerichten benutze ich die Lieder von den Beatles als Richtwert. Drei Lieder der Beatles ….. prüfen ob die Spaghetti al dente sind.  Naja, fast jeder hat ja irgendeinen Spleen.

Ich erzählte ihm, dass die Beatles die wohl berühmteste Band der Welt sind, die über 600 Millionen Schallplatten verkauft hat, denn damals hatten wir noch Schallplatten, Singles und Langspielplatten, und den dazu passenden Schallplattenspieler.

Wie alles begann

Im Gegensatz zu sehr vielen Bands der heutigen Zeit waren die Beatles keine gecastete Band, sondern der 16 jährige John Lennon war sozusagen das Gründungsmitglied der ersten Stunde, der die Schülerband „The Quarrymen“ gegründet hatte, die anfangs in verschiedenen Formationen auftrat. Im Juni 1957 war der 15 jährige Paul McCartney auf einem Konzert der Quarrymen in einer Kirchengemeinde zu Gast und lernte so John Lennon kennen. Dieser war von Paul beeindruckt, der ihm ein Stück vorspielte. Lennon fand ihn inspirierend und nahm ihn in die Band auf. Danach folgte der 14 jährige George Harrison.  Erst nach ihrer Hamburger Zeit (1960/1961) kam Ringo Starr dazu, der übrigens als einziger Beatle einen Künstlernamen trägt und eigentlich Richard Starkey heißt. Bis dahin gehörten Pete Best und Stuart Sutcliffe zur Formation.

John Lennon und Paul McCartney verbindet übrigens die traurige Tatsache, dass die Mütter der beiden bereits früh verstarben. Pauls Mutter starb 1956 an Brustkrebs und Johns Mutter 1958 bei einem Verkehrsunfall.

Woher stammt die Frisur ?

In Hamburg lernten sie die Fotografen Astrid Kirchner und Jürgen Vollmer kennen, die die Beatles entscheidend beeinflussten. Astrid Kirchner wurde die Freundin von Stuart Sutcliffe und machte die ersten professionellen Fotos der Band. Jürgen Vollmer beeindruckte die Beatles wegen seiner außergewöhnlichen und unkonventionellen Frisur.  Er hatte sich selbst die Haare geschnitten und trug sie nach vorne gekämmt und mit Pony, was den Beatles ziemlich gut gefiel und weshalb sie ihn baten, ihre Haare in der gleichen Weise zu schneiden. Damit waren die Pilzköpfe geboren und die Beatles hatten ihr erstes Markenzeichen.

Während bis zum Ende der 1950er  Jahre der Rock’n Roll angesagt war,  wurden die Beatles sehr schnell zu einer der populärsten Bands, zum einen wegen ihres besonderen Aussehens und vor allem wegen ihres neuartigen Musikstils.

Den Höhepunkt ihrer Karriere erreichten sie zwischen 1964 und 1969. In dieser Zeit waren sie in fast allen Ländern der Welt die Nummer 1 in den Hitparaden.

Twiggy und der Mini-Rock

Die Revolution war perfekt, denn jetzt trugen viele junge Männer lange Haare ……….und die jungen Frauen Miniröcke.

Wer über die Veränderungen bei den jungen Männern berichtet, der muss auch Mary Quant erwähnen, die zeitgleich den Minirock erfand. Das Model Twiggy, ein spindeldürres Wesen ohne Busen und mit großen Augen, stand mit ihrer extrem dünnen Figur für einen neuen kindlichen Frauentyp und machte den Mary Quant-Look Ende der 1960er Jahre zum Markenzeichen einer ganzen Generation. Ich selber fühlte mich damals lange Zeit an der ein oder anderen Stelle zu dick, obwohl ich die Kleidergrösse 36 trug.

Pilzkopf und Minirock, das entsprach dem damaligen Zeitgeist.

Dann fand ich den Hinweis auf das berühmteste Foto mit den Beatles ganz interessant, das sie beim Überqueren eines Zebrastreifens in der Abbey Road in London zeigt und mittlerweile zigtausend Mal von anderen Bands kopiert wurde. Hierzu könnte er sein Publikum fragen, wer von den Beatles eine Zigarette in der Hand hält. Das Bild kennt nahezu jeder, aber dieses Detail nicht.

Dem Pubertier dämmerte es inzwischen, dass dieses Interview doch länger dauern und die zu erwartenden Informationen ihn eventuell erschlagen könnten, weshalb er auf seine Gliederung zu sprechen kam, die er eigentlich nicht erweitern wollte. Ich hatte verstanden !

Weitere Eckdaten und statistische Zahlen zu den Beatles und Informationen zu ihren Musiktiteln konnte er sich ja anhand der Gliederung im Netz heraussuchen. Aber ich wollte ihn noch auf das Beatles-Museum in Köln hinweisen, das ich Anfang der 1990 Jahre mal besuchte und wo ich die Plakate der Beatles kaufte, die sich heute noch in meinem Haus befinden. In diesem Museum war die Sammlung eines Mannes namens Rainer Moers zu sehen, der seit 1964 alles gesammelt hatte, was er über die Beatles finden konnte. Auch ein Beatles-Verrückter. Das Beatles-Museum in Köln gab es schon, bevor Liverpool seiner Helden gedachte. In Köln existiert das kleine Museum nicht mehr; es ist nach Halle an der Saale umgezogen.

Und als letztes:  Die Frauen der Beatles – (auch) ein Lieblingsthema von mir, wenn es um die Beatles geht. Wenigstens etwas über die Frau von George Harrison, dem Model Pattie Boyd, und auch wirklich in einer ganz kurzen Version.

Nein, das Pubertier steigt an dieser Stelle aus; er sieht sich nicht in der Lage, so ein Liebesgedöns noch in der Präsentation unterzubringen. Aber der  geneigten Leserin/dem geneigten Leser darf ich es erzählen, in einer ganz kurzen Version, denn Pattie Boyd war nicht nur mit George Harrison verheiratet, sie liebte auch Eric Clapton, den sie nach der Scheidung von George Harrison heiratete. Der Liebe dieser beiden Musik-Legenden zu Pattie Boyd verdanken wir mindestens die drei nachfolgenden Lieder, allesamt Lieblingslieder von mir, die beide Männer jeweils Pattie Boyd widmeten.

Über ihre Zeit mit den beiden Musik-Legenden hat Pattie Boyd 2007 ein Buch veröffentlicht. Es heißt:

Pattie Boyd mit Penny Junor: Wonderful Tonight. George Harrison, Eric Clapton, and Me, Harmony, 2007 und ist noch heute erhältlich.

 

Das war schon eine geile Zeit ………… damals.  Es war für uns eine Zeit der Träume, aber auch Proteste. Wir protestierten zunächst gegen unsere konservativen Elternhäuser und dann auf den Straßen. Gegen verkrustete Strukturen und für neue Werte. Aber es war auch die Zeit von freier Liebe und Hippies……….. und dem Ausdruck von Freiheit und Ruf nach Veränderung schlechthin: den 68 ern.

Gerade schießt mir der Gedanke an die Unruhen gegen den Besuch von Schah Reza Pahlavi im Jahre 1967 und den Tod von Benno Ohnesorg durch den Kopf und dass ich damals lernte, wie die Bezeichnung für seine Frau Farah Diba lautete. SCHAHBANU.  Das hatte ich mir merken wollen, falls es mal in einem Kreuzworträtsel auftaucht oder ich es anderweitig gebrauchen kann. Ich habe das Wort nie gebraucht und jetzt klopft es auf einmal in meinem Kopf an. Was wohl sonst noch alles im Verborgenen schlummern mag ? Aber das nur am Rande.

Fazit

Es gilt noch ein Fazit zu ziehen.

  • Das Pubertier und mich trennen mehr als 50 Jahre, aber dennoch  hören wir ab und zu dieselbe Musik. Das ist wunderbar.
  • Und ich habe von der Lehrerin meines Enkels ein Lob erhalten. Dass er nämlich eine coole Oma habe, allein schon dass ich eine Alexa hätte.  Ich bedanke mich für dieses Kompliment, weiß aber nicht, welche Vorstellung man von einer geistig aktiven Oma heutzutage hat. Ich bin zwar im Rentenalter, bin aber gleichzeitig Bloggerin und seit Jahren bei Facebook und Instagram aktiv.  Und falls es jemals so weit kommen sollte, dass ich nicht mehr selbstbestimmt leben kann und in einem Altenheim wohnen müsste,  dann hoffe ich, dass ich nicht im Stuhlkreis deutsche Volkslieder wie „Hoch auf dem gelben Wagen“ schmettern muss, sondern wir z.B.  Lieder der Beatles, Maffay oder Lindenberg singen und die Stones,  Cat Stevens,  Eric Clapton und all die anderen Helden meiner ersten 30 Lebensjahre hören.

Und während sich das Pubertier in Methodenkompetenz üben durfte, verfalle ich gerade in eine sentimentale Gefühlsduselei. Vor meinem geistigen Auge sehe ich ein junges Ding mit langen blonden Haaren, das sich glücklich lächelnd zur Musik der Beatles bewegt. Echt jetzt?  Das soll 50 Jahre her sein ?

Hach, es gibt noch so viel zu erzählen; die ein oder andere Fortsetzung folgt bestimmt.

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