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Als Seniorin durch die Corona-Pandemie / Teil 2

Für meine Erinnerung  –  (notiert am 15.07.2020)

Hortensien-Zeit. Ich liebe Hortensien und habe auch einige in meinem Garten. Es hat in den letzten Tagen geregnet und man sieht, dass dies den Pflanzen richtig gut getan hat. Abends gehe ich kurz vor 22 Uhr noch einmal in den Garten, um die ein oder andere Schnecke einzusammeln, für die Hortensien wohl sehr schmackhaft sind.

Auch morgens gehe ich gern als erstes in den Garten, am liebsten mit einer Tasse Tee oder Kaffee. Manchmal erwische ich auch dann noch  eine Schnecke.  Heute hatte ich dafür weniger Zeit, denn es gab einen Termin am Vormittag.

Der Vorstellungstermin 

Ich wollte eines der Pubertiere aus unserer Familie zu einem Vorstellungstermin fahren. Das war sozusagen meine gute Tat des Tages. Zum einen fahre ich sehr gern Auto und zum anderen ersparte es ihm die Fahrt mit Öffentlichen Verkehrsmitteln, was in der Corona-Zeit nicht gerade erstrebenswert ist. Deshalb biete ich mich gern als Oma-Taxi an;  so lange es geht,  wollen wir in der Familie die öffentlichen Verkehrsmittel vermeiden.

Bei WhatsApp hatte ich heute morgen allerdings eine Nachricht vom Pubertier in völlig anderer Sache gefunden, die nach Mitternacht abgeschickt worden war. Ob er wohl pünktlich zum verabredeten Termin in mein Auto steigen würde? Da er für zwei Tage alleine zuhause war, erschien mir der Gedanke nicht unberechtigt, denn

Cool Kids never sleep 

Ja, die Haustüre öffnete sich und er erschien mit einem Gesichtsausdruck, wie es die legendäre Katze Grumpy Cat nicht besser hinbekommen hätte. Natürlich weiß ich, dass man vor einem wichtigen Termin jede Art von Stress vermeiden und für eine entspannte Atmosphäre sorgen sollte. Mein Oma-HERZ verfügt schließlich über jahrzehntelange Erfahrung. Mein etwas vorlauter KOPF befahl jedoch meinem Mund, das Pubertier direkt anzusprechen und zu fragen, ob er sich die Haare nicht besser hätte frisieren können. Das war in diesem Fall ein Fehler, denn er erklärte mir, dass er versehentlich das Volumen-Shampoo seiner Mutter erwischt hatte und einfach keine Zeit mehr vorhanden war, nochmals die Haare zu waschen. Ich muss schon sagen, dieses Shampoo kann was!

So verbrachten wir den Rest der Fahrt schweigend;  ich schwieg, um die nunmehr nicht unbedingt entspannte Atmosphäre nicht weiter zu verschlimmern, er schwieg, um sich auf den Termin zu konzentrieren.

Während der Wartezeit kam mir plötzlich die Idee, dass man eine neue Challenge anstoßen könnte, wo Menschen wie Grumpy Cat gucken. Denn Grumpy Cat ist ja leider verstorben und kann uns nicht mehr mit neuen Fotos beglücken. Aber ich wischte den Gedanken schnell beiseite, weil ich diese diversen Challenges eigentlich doof finde. Jedenfalls ging der Termin trotz Volumen-Shampoo sehr gut aus, was wir mit einem „Döner mit allem“  vom Lieblings-Türken belohnten.

Bei Ali schmeckt es am besten

So musste ich mir kein Mittagessen kochen und das türkische Essen ist sehr gesund, zumal jetzt in der Corona-Krise alles frisch geschnitten wird, nicht nur das Fleisch.

Am Nachmittag musste ich in der Stadt zahlreiche Besorgungen erledigen. Es war anstrengend, denn vor vielen Läden bildeten sich lange Schlangen. Vor dem Laden, in dem ein Metzger und ein Bäcker gemeinsam ein Geschäft betreiben, war der Andrang besonders groß. Nach den aufgedeckten Skandalen in den Fleisch verarbeitenden Betrieben zieht es viele Kunden wieder zu dem Metzger ihres Vertrauens. Zumal über diesen Betrieb erst vor wenigen Tagen in der örtlichen Presse berichtet worden war.  Dort stellt man die Wurst noch selber her, kauft das Fleisch in der Region und lässt die Tiere von einem privaten Schlachter in Wuppertal schlachten. Da verwundert es nicht, dass die Kunden Schlange stehen.

Die Mund- und Nasenschutz-Mode

Auch vor dem Drogeriemarkt mit den 2 Buchstaben musste man anstehen und ich überlegte, ob ich den Einkauf verschieben und am nächsten Morgen ganz früh wieder kommen sollte, weil noch zwei weitere Geschäfte auf meiner Liste standen. Ich hielt durch und beobachtete interessiert das Treiben um mich herum. Der vorgeschriebenen Mund- und Nasenschutz ist mittlerweile in verschiedensten Farben, Formen und Modellen vertreten,  wobei er in einigen Fällen aufgrund freiliegender Nasen zu einem einfachen Mundschutz mutiert ist. Da ist inzwischen alles vertreten, farblich abgestimmt zur Kleidung, mit  der ein oder anderen bekannten Marke versehen oder Bluse und Mundschutz komplett im selben Stoff und selbst genäht.

Als ich dann an meiner letzten Station, einem kleinen Kaufhaus angekommen war, war ich schon ein wenig erschöpft.  Nur noch schnell da rein und dann ab nach Hause. Gesagt ……getan.  Für meine Verhältnisse flitzte ich ziemlich flott durch die Gänge, bis ich merkte, dass eine aufgeregte Verkäuferin hinter mir her war. „Hallo, Sie müssen eine Maske tragen“ meinte sie in einem leicht vorwurfsvollen Ton. Ja, sie hatte Recht. Ich war ohne Mund- und Nasenschutz in das Geschäft gegangen.

Und dass, nachdem ich vorher die Mund- und Nasenschutz-Modelle der Menschen in der Stadt bestaunt hatte.  Ich entschuldigte mich bei der Verkäuferin und ärgerte mich über mich selber, dass mir so was  passieren konnte. Es war mir zu anstrengend, jetzt zum Auto zurück zu gehen. Ich kaufte kurzerhand einen Schal, den ich mir um den Kopf wickelte. Es sah komisch aus, aber in diesem Fall heiligte der Zweck die Mittel. Offensichtlich hatte mich das bunte Treiben in der Stadt und das Verhalten einiger, als hätten wir Corona schon besiegt, nachlässig gemacht.

Es ist noch nicht vorbei

Aber die Pandemie ist noch nicht vorbei. Noch lange nicht. Vielleicht haben wir es in Deutschland bisher gut gemacht, die Pandemie in Schach zu halten. Vielleicht ist es auch nur eine Atempause und mit den zurückkehrenden Urlaubern oder im Herbst erreichen wir doch eine zweite Welle.

Die Zahlen von neu Infizierten und Toten in Amerika, in Brasilien, und in Großbritannien sind jedenfalls erschreckend und führen uns vor Augen, dass eine Pandemie ein Land auch regelrecht überrollen kann.

Daher heißt es, den richtigen Weg zu finden, zwischen denen, die Großveranstaltungen fordern, die Abschaffung der Maskenpflicht oder wie Attila Hildmann und andere Verschworene gegen das Virus oder die Einführung einer Impfpflicht demonstrieren, die es nicht gibt, oder wogegen auch immer. Auf der anderen Seite sind die Ängstlichen und Zögerlichen, aber vor Angst erstarren dürfen wir auch nicht. Ich überlege gerade, ob ich zu den letzteren gehöre. Nein,  ich gehöre zu den Vernünftigen, mich und andere so gut es geht schützend und dennoch offen für einen Übergang in eine neue Normalität nach Corona.

Nachrichten des Tages

Und während ich dies hier schreibe, höre ich nebenbei die aktuellen  Nachrichten vom 14.07.2020 mit folgendem Tenor:

Weltweit wächst die Sorge, dass sich die Corona-Krise erneut verschärft. Besonders schlimm ist die Lage in den USA. Kalifornien hat wegen stark steigender Neuinfektionen die Lockerungen abgebrochen und einen weitreichenden neuen Lock-Down verhängt. Bars, Kinos und Museen müssen schließen, Restaurants die Bewirtung in geschlossenen Räumen einstellen. In Florida ist die Lage ähnlich besorgniserregend. In Spanien, Indien, Thailand und Hongkong werden Schutzmaßnahmen deutlich verschärft. In Großbritannien schreckt eine Studie von 37 Wissenschaftlern auf, die vor einer 2. Welle im Herbst warnen, die im schlimmsten Fall 120.000 Tote auf der Insel fordern könnte.

Und heute Morgen findet man einen Artikel in einer lokalen Zeitung über eine Frau, die sich in Ischgl mit Covid-19 angesteckt hat und über die gesundheitlichen Folgen berichtet. Daher dürfen wir nicht nachlässig werden und müssen die Pandemie weiter sehr ernst nehmen.

BITTE SCHÜTZE DICH SELBST UND ANDERE,  DIE PANDEMIE HABEN WIR NOCH NICHT ÜBERWUNDEN

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