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Als Seniorin durch die Corona-Pandemie / Teil 1

Für meine Erinnerung                                                                   (notiert am 05.07.2020)

 

Anfangs hatte ich überlegt, ein Corona-Tagebuch zu führen. Diese Pandemie, die mittlerweile die ganze Welt beherrscht, war ein so gravierender Einschnitt in unser bisheriges Leben, dass ich überlegte, die Entwicklungen Schritt für Schritt zu dokumentieren. Dann erkannte ich, dass dies reichlich „Old School“ ist, da man dank moderner Medien jederzeit alle wichtigen Daten in  chronologischer Reihenfolge abrufen kann.

Aber für meine Erinnerung werde ich über meine eigenen Gedanken, meine Ängste und mein Leben in der Corona-Krise schreiben.

Eine bemerkenswerte Zeit

Es ist eine bemerkenswerte Zeit, in der wir leben. Wahrscheinlich werden unsere Kinder ihren Enkeln noch davon erzählen. Dass über Monate die Schule ausfiel, dass es Kontaktsperren und Maskenpflicht gab und die Schulentlassfeier, in normalen Zeiten ein ganz wichtiger Schritt ins Leben und festlich gefeiert,  lediglich aus einer kurzen, schulinternen  Feier mit Zeugnisausgabe bestand, an der nur ein Elternteil teilnehmen durfte.

Während der Zeit des lock-downs,  in der das gesellschaftliche Leben zum Stillstand kam und lediglich Geschäfte mit Artikeln des täglichen Bedarfs geöffnet hatten,  habe ich sehr zurückgezogen gelebt. Meine Nachbarn rechts und links hatten mir ihre Hilfe angeboten, was ich sehr schön fand und wofür ich dankbar war. Aber meine Einkäufe erledigte meine Tochter für mich, die mit mir im gleichen Ort wohnt.

Obwohl sich mein Leben sehr entschleunigt hat, seit ich nicht mehr im Berufsleben stehe, und ich meine neue Achtsamkeit auch sehr pflege,  habe ich zurück blickend die Zeit des lock-downs sogar als sehr angenehm erlebt, ja regelrecht genossen und eine neue Stufe der Entschleunigung erreicht.  Stille Plätze, leere Strassen und eine wesentlich reinere Luft schufen ein unglaubliches Wohlfühlgefühl in mir. Die Umwelt war plötzlich so leise, die Vögel wesentlich lauter und diese klare Luft einzuatmen, das musste man einfach genießen, vor allem, da es ja nicht immer so bleiben würde.

Wie oft habe ich in dieser Zeit auf einer meiner Bänke gesessen und über meine Heimat, das Bergische Land, geblickt. Es sind natürlich nicht „meine Bänke“ in dem Sinn, dass sie mir gehören und ich sie besitze. Es sind schlicht und einfach wunderschöne Orte, die ich mir im Laufe der vergangenen Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte bei Spaziergängen oder Spazierfahrten erobert habe. Ich habe sie zum Beispiel gefunden, als ich eine Zeit lang bergische Häuser und hier vor allem Haustüren fotografierte. Oder so viele Hofschaften wie möglich kennen lernen wollte und Stadt für Stadt auf Entdeckungstour ging. Wie schön wir hier leben! Ich hoffe sehr, dass das den Menschen in der Region auch tatsächlich bewusst ist. Für mich sind es besondere Kleinode, besonders schöne Orte, die ich liebe und immer wieder gern besuche.

Ein schöner Ort

Einen dieser Orte zeige ich hier. Es ist ein Garten, der kein Haus davor, dahinter oder daneben hat und mitten in den Feldern und Wäldern des Bergischen Landes liegt. Wo,  das wird nicht verraten. An diesem Bauerngarten gefällt mir insbesondere die Liebe seiner Besitzerin/seines Besitzers zum Gärtnern, die Liebe zum Detail, denn in diesem Garten findet man über das ganze Jahr einen einladend gedeckten Tisch. Mit schöner Tischdecke, schönem Geschirr, einem Fake-Guglhupf und immer der Saison angepasst………. einem frischen Blumenstrauß.  Ich war zuletzt rund um Pfingsten dort und natürlich standen Pfingstrosen auf dem Tisch. Ich finde es bewundernswert, dass da jemand nur für sich, fernab von Publikum oder Menschenansammlungen etwas so Schönes schafft und kontinuierlich am Leben erhält. Vielleicht habe ich ja einmal das  Glück und treffe zufällig die Gärtnerin / den Gärtner bei der Gartenarbeit oder beim Verweilen auf diesem schönen Fleckchen Erde.

Es gibt noch weitere (und auch noch schönere) Lieblingsorte; vielleicht zeige ich sie ab und an.

Die Bilder aus Norditalien

Ich selbst konnte mich in der Zeit seit Corona sehr gut beschäftigen und fühlte mich in keiner Weise allein oder einsam. Letztendlich ist auch mein Blog in dieser Zeit entstanden. Lediglich der fehlende Kontakt zu den Enkelkindern machte mir teilweise zu schaffen. Aber zahlreiche Telefonate, WhatsApp-Nachrichten und insbesondere Videos und Fotos halfen, auch dies zu überstehen. Geholfen hat mir auch, dass ich mich von Anfang an intensiv über die Pandemie informiert habe. Interessiert und ausdauernd lauschte ich den Virologen und Epidemologen, die plötzlich in jeder Talk-Show saßen.

Erschreckend  waren für mich die Berichte und vor allem die Bilder aus Norditalien, aus den Städten, in denen wir so oft Urlaub gemacht hatten. Das machte mir richtig Angst, denn wegen meines Alters und  Vorerkrankungen gehöre ich zur Risikogruppe. Angst ist zwar immer ein schlechter Begleiter, aber in diesem Fall verhalf sie mir zu wesentlich mehr Disziplin und einem achtsameren Umgang mit mir selber, mehr als je zuvor.

Als der lock-down beendet wurde und auch bestimmte  kleinere Geschäfte unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften wieder öffnen durften, traute ich mich erstmals wieder unter Menschen. Ausgestattet mit Mund- und Nasenschutz, Einmal-Handschuhen und eigenem Desinfektionsmittel wagte ich mich wieder in die Geschäfte. Ich hatte mir eine kleine Taktik ausgedacht und ging kurz nach Ladenöffnung zum Einkaufen, wenn noch nicht so viele Menschen vor mir dort waren. Prompt stellte ich fest, dass ich während des lock- downs wesentlich genügsamer war und wesentlich weniger Lebensmittel bei meiner Tochter „bestellt“ hatte. Ansonsten hat sich auch insgesamt  mein Konsumverhalten sehr reduziert;  ich glaube, dass jetzt andere Dinge wichtiger sind.

Wie nachdenklich eine solche Krise doch machen kann.

Mir war klar, dass die Zeit nach Corona eine andere sein würde. Mich beschäftigte der Gedanke, ob ich diese alte Welt, so wie sie vor Corona war, überhaupt wieder haben wollte.  Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich dies nicht möchte, sondern wir naturgegeben aus der Pandemie lernen werden (und müssen) und Veränderungen anstoßen sollten. Vielleicht wird es einige Berufe in Zukunft nicht mehr geben, wenn wir z.B. auch den Gedanken des Umweltschutzes mit einbauen.

Die Kehrseite der Medaille

Das ist sowieso die Kehrseite der Medaille, die vielen Menschen, die ihre Arbeit wegen Corona verloren haben, sich in Kurzarbeit befinden oder als Selbständige um ihre Existenzen bangen. Von der Überforderung vieler Eltern, die sich plötzlich im Home-Office wiederfinden und gleichzeitig die Betreuung und das Homeschooling ihrer Kinder übernehmen müssen,  ganz zu schweigen.

Zeit für positive Gedanken

Aber wir brauchen auch positive Gedanken, Hoffnung und Visionen. Und wo sich eine Türe schließt, öffnet sich eine neue. Vielleicht……… nein hoffentlich………. wird es neue Perspektiven geben, werden sich neue Berufe ergeben, an die wir noch gar nicht denken oder die wir noch gar nicht kennen.

Vielleicht wird es in Zukunft vielmehr Home-Office geben, weil die Firmen dann weniger Bürofläche vorhalten müssen und dadurch enorme Kosten sparen. Der Flugverkehr wird weniger werden, denn Video-Konferenzen sind mittlerweile an der Tagesordnung usw.  Aber was bedeutet das z.B. für Familien, wenn dort Home-Office stattfindet? Benötigen sie dann mehr Wohnraum, mehr Equipment? Belastet oder entlastet es?

Aber auch viele Klein-Selbständige brauchen jetzt Phantasie; wie können sie unter Corona-Bedingungen ihren Betrieb retten, was können sie verändern oder sollen sie ganz neue Wege gehen? In einem Forum las ich, dass ein Koch zur Zeit Tiefkühlkost ausfährt, um nicht tatenlos in seiner Küche zu stehen und um so Geld zu verdienen, da sich für ihn die Öffnung des Lokals nicht rechnet.

Vorsichtig bleiben

Ich bin weiter vorsichtig.  In meinem engen Umfeld achteten und achten alle sehr streng auf die Einhaltung der Hygienevorschriften und der Kontaktbeschränkungen, um sich und auch andere zu schützen. Daran hielten und halten sich im weiteren Umfeld längst nicht alle. Es gibt die, die sich an Abstandsregeln und Maskenpflicht halten und vernünftig und mit positiver Einstellung durch die Krise gehen und auch Unbelehrbare oder Verschwörungstheoretiker. Aber auch solche, die es vielleicht nicht richtig verstehen. So sah ich neulich aus dem Auto heraus einen Mann einsam auf einer Parkbank sitzen, der seinen Mundschutz trug  –  obwohl weit und breit niemand zu sehen war  -. Wozu?

Inzwischen kaufe ich weiterhin meist selber ein, wenn auch in sehr reduziertem Ausmaß. Auf Shopping-Tour war ich bisher noch nicht. Auch noch nicht in einem Restaurant essen, obwohl ich das vor Corona sehr oft und sehr gern gemacht habe. Kein Kino, kein kulturelles Angebot, nicht einmal Eis essen im Eiscafé. Ich möchte vorsichtig sein, denn ich habe nur ein Leben. Und wenn dann heute in der Presse steht, dass in unserem Landkreis eine 55jährige Frau ohne jede Vorerkrankung an Covid-19 verstorben ist, dann fühle ich mich in meinem Verhalten bestärkt.

 

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