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Öffnung aller Grundschulen in NRW im normalen Regelbetrieb zum 15.06.2020

Eltern empört Euch !

…… das war mein erster Gedanke, als ich von der Öffnung der Grundschulen im normalen Regelbetrieb zum 15. Juni 2020 in NRW hörte.  Da Ende Juni in NRW die Schulferien beginnen,  reden wir hier von 14 Tagen schulischem Normalbetrieb in voller Klassenstärke, ohne dass Abstandsregeln eingehalten werden können und ohne Mund- und Nasenschutz im Klassenraum, während außerhalb von Schule diese Regeln weitergelten..

Nach dem Lockdown war es ja bereits zu einer Öffnung der Schulen in NRW und auch anderen Bundesländern gekommen, allerdings zu verschärften Hygiene- und Abstandsregeln. In der Praxis bedeutete das für meine schulpflichtigen Enkelkinder, dass sie in deutlich reduzierten Klassenverbänden 1 x (in Worten: ein Mal) pro Woche jeweils von 8 h bis 11.20 h bzw. 8 h bis 12.30 h Unterricht hatten.

Es galten strenge Hygiene- und Abstandsregeln. Auf den Schulhöfen und in den Schulen  waren die Aufstellplätze und Wege markiert, die die Schüler zu nehmen hatten. Und jeder Schüler wurde persönlich vom Lehrer abgeholt und ins Klassenzimmer geleitet.

Der restliche Unterricht fand weiter durch die Eltern in Form von  Homeschooling statt. Bereits diese Entscheidung war eher ein politisches Signal, als dass sie für Schüler und Eltern etwas gebracht hätte. Der Schulunterricht hatte eher eine Alibifunktion, die Eltern wurden nicht vom Homeschooling entlastet und mussten wegen fehlender Betreuungsmöglichkeiten weiterhin zu Hause bleiben. Aber die Kinder hatten wenigstens einmal pro Woche das Gefühl von Schule und konnten ihre dortigen Kontakte pflegen.

Irgendwann muss es ja wieder losgehen, wird jetzt der ein oder andere sagen. Also warum sollen sich die Eltern empören ?  Vielleicht weil es schlichtweg politische Ränkespiele sind und  ein Bieterwettbewerb zwischen den einzelnen Bundesländern entstanden ist, welcher Ministerpräsident sein Land am besten in eine neue Normalität zurückführt. Das ist in unserem föderalistischen Staat zunächst einmal zu akzeptieren, wenn aber unsere Kinder für politische Experimente missbraucht werden, dann sollten Eltern genauer hinsehen und sich im Zweifel auch empören. Das möchte ich nachfolgend gerne erklären – natürlich aus meiner Sicht.

Zur Vorgeschichte:

Seit Beginn der Pandemie verfolge ich die Nachrichten und auch politische Talkshows mit viel Interesse und auch Ausdauer. Ich bin weder Epidemologe noch Virologe noch war ich bisher in irgendeiner Form mit dem Thema vertraut. Um so mehr wollte ich informiert sein.

Anfangs sahen wir die furchtbaren Bilder aus Italien, was im Nachhinein wahrscheinlich unser Glück war und zu der Disziplin führte, die die Deutschen im Lockdown an den Tag legten. Und unsere Regierung handelte souverän,  klug und effizient.  Anfangs zogen alle im Parlament vertretenen Parteien, außer der AFD,  an einem Strang und es wurden Entscheidungen im Eiltempo getroffen und entsprechende Gesetze verabschiedet.

Steigende Umfragewerte für CDU und SPD

Die Bevölkerung war  mit der Arbeit der Groko zufrieden und das zeigte sich auch in steigenden Umfragewerten für CDU und SPD.  Und während Vertreter dieser beiden Parteien in den Medien die getroffenen Entscheidungen und Gesetze erklärten, verlor die FDP  an Zustimmung und dümpelte in Umfragewerten zeitweise  an der 5% Grenze. Das führt bei der FDP unter Führung von Christian Lindner stets und sofort zu entschiedenem Handeln in Form einer Aktualisierung der Marketingstrategien und möglichst vielen Auftritten in den Medien. So auch in diesem Fall.

Anlässlich der Regierungserklärung von Angela Merkel zur Corona-Krise ließ  Christian Lindner daher die bisherige Einheitsfront platzen. Er, der lieber nicht regieren wollte als falsch zu regieren, findet nun, dass falsch regiert wird und Angela Merkel mit ihrem wissenschaftsbasierten Kurs falsch liegt. Man habe das Herunterfahren des Landes und die Milliarden an Wirtschaftshilfe mitgetragen, aber jetzt wisse man mehr über das Virus (hört, hört, die FDP weiß mehr !) und deshalb mehren sich seine Zweifel und die große Einmütigkeit in der Frage des Krisenmanagements ende daher hier und heute.

Plötzlich und unerwartet waren die fachkompetenten Meinungen von Christian Lindner und Wolfgang Kubicki zum Thema Pandemie gefragt oder wie soll man sich die plötzliche Häufung der medialen Präsenz anders erklären?  Wie das mit den Einladungen in Talkshows wohl funktionieren mag?

Somit lässt sich erklären, warum es der FDP in vielen Bereichen nicht schnell genug geht, weitere Lockerungen zu beschließen. Das ist die neue Strategie und damit will man beim Wähler punkten.

Nun muss ich vorweg sagen, dass ich meist zur Toilette gehe oder kurz meinen Kühlschrank begrüsse,  wenn Wolfgang Kubickis Redezeit beginnt, weil er so schnell und undeutlich spricht und dazu nuschelt, dass es mir schlichtweg zu anstrengend ist, ihm zuzuhören. Sagt  er wirklich etwas Entscheidendes? Bei Christian Lindner verhält es sich ähnlich. Auch ihn finde ich anstrengend mit seiner irgendwie altbackenen geschwurbelten Ausdrucksweise. Jedenfalls sind sie jetzt überall präsent und treten als Corona-Experten auf, die der Meinung sind, dies und das durchaus verantworten zu können und kritisieren den Kurs der Regierung.. Und wenn dann tatsächliche Experten mit in diesen Talk-Runden sitzen merkt man schon deutlich, wo da Substanz ist und wo nicht.

Das alles musste ich erzählen, damit man verstehen kann, was hier in NRW von Statten geht. In NRW regiert die FDP zusammen mit der CDU.   NRW ist sozusagen die Hofburg der FDP und Christian Lindners und hier will er als erstes umsetzen, was aktuell die neue Strategie seiner Partei ist. Hinzukommt die Rolle von Armin Laschet, der sich einen heimlichen Wettbewerb mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder liefert, wer denn nun der bessere Kanzlerkandidat  sein könnte.

Der Videobeweis

Nachfolgend zeige ich zwei Videos mit der Kultusministerin NRW, Frau Gebauer, und dem Familienminister NRW,  Joachim Stamp, beide FDP.  Im ersten Interview von Frau Gebauer wird schlichtweg gelogen, denn die erwähnten Studien gibt es nicht, sondern sie bezieht sich auf eine Stellungnahme von (Kinder)Ärzten und einem Hygieniker; ein Epidemologe oder Virologe befindet sich nicht darunter. Bitte reinhören.

Im zweiten Video mit einer brillianten Marietta Slomka erklärt uns NRW’S Familienminister, warum die Schulen jetzt im normalen Regelbetrieb öffnen sollten.  Mir erschließt sich seine Argumentation nicht. In Wahrheit geht es darum  die Schulen so kurz vor dem Sommerferien komplett zu öffnen, um zu sehen, was passiert und Erkenntnisse  für eine Öffnung der Schulen im Herbst zu erhalten.

In diesen 14 Tagen Schulöffnung werden also die Defizite ermittelt, damit sie in den Ferien behoben werden können ? Ohne Worte ! So schlimm kann Politik sein. Den bisherigen Schulbetrieb hätte man bis zum Ferienbeginn weiterlaufen lassen und m. E. vorhandene Defizite  in Kleingruppen wesentlich besser benennen können. Was Herr Stamp genau mit der Aufarbeitung in den Ferien meint, würde mich sehr interessieren.

Das Experiment

Und wer jetzt an Sachsen und Schleswig-Holstein denkt, die bereits seit einer Woche die Schulen geöffnet haben, der sei darauf hingewiesen, dass beide Bundesländer gute Zahlen aufweisen und Schleswig-Holstein sein Land abgeschottet hatte und nicht einmal Zweithausbesitzer einreisen durften. In einem Interview sprach eine Lehrerin aus Schlewig-Holstein über ihre Gefühle zu dieser politischen Entscheidung. Sie sagte: “ Es ist ein Experiment, und zu Beginn der Ferien werden wir wissen, ob wir gesund in die Ferien starten können oder nicht.“. Hoffentlich haben alle Glück.

Und dass Kinder sehr wohl anstecken und angesteckt werden können zeigt der Fall in Göttingen, wo 1/3 der Infizierten Kinder sind (mehr als 60) !

Ach ja, warum die Aussage von Frau Gebauer gelogen ist, das zeige ich in einem weiteren Video aufgezeichnet bei Markus Lanz.  Sehr hörens- und sehenswert.

Wir leben zur Zeit in einer weltweiten Pandemie, die uns allen viel abverlangt. Die Welt wird danach eine andere sein. Ich bin froh, dass ich während dieser herausfordernden Zeit in Deutschland war. Dennoch sollten wir wach sein und wach bleiben, um die ein oder andere Entscheidung aus dem politischen Raum kritisch zu hinterfragen oder noch besser: uns aktiv an der Gestaltung der „Nach-Corona-Zeit“ zu beteiligen. Das sind wir unseren Kindern schuldig.

Ich wünsche allen Gesundheit !

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